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  • May 7, 2026

Lahmes Pferd: Was tun und wann den Tierarzt rufen?

Lahmes Pferd: Was tun und wann den Tierarzt rufen?

Ihr Pferd ist plötzlich lahm und Sie wissen nicht, was zu tun ist? Dieser Artikel hilft Ihnen, ruhig und sicher zu reagieren. Manchmal handelt es sich um eine Kleinigkeit (ein Steinchen im Huf oder eine leichte Verstauchung), aber Lahmheit kann auch auf etwas hinweisen, das schnelles Handeln erfordert, wie Hufrehe oder eine Sehnenverletzung. Mit dem folgenden Stufenplan gehen Sie Schritt für Schritt durch, was Sie sehen, was Sie selbst tun können und wann Sie den Tierarzt rufen.

Haftungsausschluss: Dieser Artikel ersetzt keine Untersuchung durch einen Tierarzt. Bei schweren oder akuten Beschwerden oder bei Unsicherheit: Rufen Sie sofort Ihren Tierarzt an.

Stufenplan bei akuter Lahmheit

Schritt 1: Aufhören zu reiten und für Sicherheit sorgen

Steigen Sie sofort ab und machen Sie keine scharfen Kurven mehr. Führen Sie Ihr Pferd ruhig an einen sicheren, ebenen Ort, vorzugsweise den Stall oder einen kleinen Paddock ohne rutschigen Untergrund. Lassen Sie es kurz zur Ruhe kommen, bevor Sie mit der Beurteilung fortfahren.

Schritt 2: Kann Ihr Pferd noch auftreten?

Dies ist das Erste und Wichtigste, was Sie beurteilen:

       Schwer: Es will kaum oder gar nicht auftreten, hebt das Bein hoch oder reagiert deutlich schmerzhaft.

       Weniger schwer: Sie sehen eine Unregelmäßigkeit, aber es belastet das Bein noch.

Je weniger Ihr Pferd aufstützt, desto größer die Gefahr, dass sich etwas entwickelt. Schränken Sie die Bewegung ein und sprechen Sie bei Unsicherheit mit Ihrem Tierarzt.

Schritt 3: Aus der Entfernung beobachten: Schwellung, Stellung, Wunden

Betrachten Sie Ihr Pferd zunächst aus etwas Abstand und vergleichen Sie links mit rechts. Achten Sie auf:

       Schwellung oder eine „dicke Sehne"

       Deutliche Wärme oder Rötung

       Wunden, Blut oder einen sichtbaren Fremdkörper

       Eine abweichende Stellung des Beins oder des Hufs

Erzwingen Sie nichts und lassen Sie Ihr Pferd ruhig stehen.

Schritt 4: Vorsichtig ertasten, Wärme und Empfindlichkeit vergleichen

Fahren Sie mit flacher Hand entlang Fessel, Röhre, Sehnen und Gelenken. Vergleichen Sie immer mit dem anderen Bein. Ein deutlicher Unterschied in Wärme oder Dicke ist wertvolle Information für Ihren Tierarzt. Nichts erzwingen, das Bein nicht durchbeugen und nicht bis zum Schmerz „testen".

Schritt 5: Hufkontrolle: Steinchen, lockeres Eisen, Zeichen eines Hufabszesses

Wenn Ihr Pferd es zulässt, heben Sie den Huf vorsichtig an:

       Reinigen Sie die Sohle und prüfen Sie, ob ein Steinchen oder eine scharfe Kante vorhanden ist.

       Kontrollieren Sie auf ein lockeres Hufeisen oder hervorstehenden Nagel.

       Achten Sie auf Empfindlichkeit, einen klopfenden Digitalpuls oder Wärme im Huf dies kann auf einen Hufabszess oder eine Entzündung hinweisen.

Sehen Sie einen Nagel oder Fremdkörper im Huf? Lassen Sie ihn stecken, machen Sie Fotos und rufen Sie sofort den Tierarzt an.

Schritt 6: Erstversorgung: Ruhe, Kühlen und weiteres Vorgehen planen

       Ruhe: Bewegung einschränken. Bei deutlicher Lahmheit kein Weidegang „zum Auslaufen".

       Kühlen: Bei Verdacht auf akute Schwellung oder Überlastung kann 10-15 Minuten Kühlen (2-4x täglich) angemessen sein. Nicht so lange kühlen, bis die Haut gefühllos wird.

       Bandage: Nur wenn Sie sicher sind, dass Sie korrekt und gleichmäßig bandagieren können. Zu stramm oder schief kann zusätzlichen Schaden verursachen.

       Schmerzmedikation: Nur in Absprache mit dem Tierarzt. Schmerzmittel maskieren Beschwerden und erschweren die Beurteilung.

Häufige Ursachen von Lahmheit

Hufprobleme

Die häufigste Ursache plötzlicher Lahmheit liegt im Huf. Denken Sie an:

       Steinchen oder Prellung: oft akut, manchmal deutlicher auf hartem Boden.

       Hufabszess: kann sich schnell verschlimmern; erkennbar an Wärme im Huf, klopfendem Digitalpuls und starker Empfindlichkeit. Das Pferd will manchmal kaum noch auftreten.

       Lockeres Eisen oder Nageldruckschmerz: Empfindlichkeit und schiefes Laufen; durch Hufschmied oder Tierarzt beurteilen lassen.

Sehnen- und Bänderverletzungen

Bei Sehnen- oder Bänderverletzungen sieht man oft Wärme oder Schwellung entlang der Sehne und Empfindlichkeit beim Betasten. Lahmheit kann nach Belastung oder nach einem Ausrutschen auftreten. Ruhe geben und gutes Management helfen wirklich. Durch weiteres Training vergrößert sich die Gefahr eines langen Heilungsprozesses erheblich.

Gelenkprobleme

Entzündung, Reizung oder (bei älteren Pferden) Arthrose kann Steifheit und einen unregelmäßigen Gang verursachen. Dass eine Lahmheit „sich herausläuft" bedeutet nicht, dass sie harmlos ist. Bei deutlicher Lahmheit: Aufhören zu arbeiten und das Pferd untersuchen lassen.

Hufrehe (immer dringend)

Hufrehe ist schmerzhaft und zeitkritisch. Denken Sie daran bei Wärme in den Hufen, Schmerzen beim Drehen, einer typischen Haltung mit vorgestellten Vorderbeinen und einem starken Digitalpuls. Rufen Sie bei diesem Verdacht sofort den Tierarzt an.

Wann sofort den Tierarzt rufen?

Rufen Sie noch am selben Tag (oder dringend) bei einem oder mehreren dieser Signale an:

       Nicht auftreten: Ihr Pferd will das Bein kaum oder gar nicht belasten.

       Schnelle oder starke Schwellung/Wärme oder ein deutliches „Knacken" während des Trainings.

       Wunde, Blutung oder Verdacht auf eine Penetration (z.B. in Huf oder Gelenk).

       Fieber, Antriebslosigkeit oder ein allgemein krankes Erscheinungsbild.

       Hufrehe: Vorderbeine nach vorne „lagern", starke Schmerzen auf hartem Boden, warme Hufe, starker Digitalpuls immer dringend.

       Lahmheit, die sich nach 24 Stunden Ruhe nicht deutlich bessert oder sogar zunimmt.

Im Zweifel? Früher anrufen ist immer besser als zu lange zu warten. Ein guter Tierarzt hat nichts dagegen, wenn Sie zur Beratung anrufen.

Was notieren Sie für den Tierarzt?

Eine gute Vorbereitung hilft Ihrem Tierarzt, schneller und besser zu beurteilen. Notieren Sie:

       Wann hat es begonnen (akut nach der Arbeit oder schleichend)?

       Welches Bein ist betroffen (links/rechts, vorne/hinten)?

       Gibt es Wärme, Schwellung oder Schmerz beim Berühren?

       Ist die Lahmheit auf hartem Boden, in Kurven oder auf weichem Boden schlimmer?

       Was hat das Pferd in den letzten Tagen gemacht (Training, Untergrund, Weidegang)?

Machen Sie wenn möglich auch ein kurzes Video auf einer geraden Linie (Schritt und Trab), wenn das sicher möglich ist. Hören Sie sofort auf, wenn Ihr Pferd starke Schmerzen anzeigt.

Was macht der Tierarzt bei einer Lahmheitsuntersuchung?

Wenn Sie den Tierarzt rufen oder kommen lassen, ist es hilfreich zu wissen, was Sie erwartet. Eine Lahmheitsuntersuchung ist kein festes Verfahren der Tierarzt passt es an, was er oder sie sieht und was Sie berichten. Dennoch gibt es Schritte, die fast immer vorkommen.

1. Anamnese: Ihre Geschichte zählt

Die Untersuchung beginnt mit einigen gezielten Fragen: Wann hat es begonnen, wie entwickelt es sich, was hat Ihr Pferd in den letzten Tagen gemacht? Alles, was Sie notiert haben (welches Bein, auf welchem Untergrund, Wärme oder Schwellung) hilft dem Tierarzt, sofort in die richtige Richtung zu gehen.

2. Inspektion und Palpation in Ruhe

Das Pferd wird beobachtet und betastet, zunächst im Stall oder an einem ruhigen Ort. Der Tierarzt inspiziert die Beinstellung, achtet auf Schwellung und Asymmetrie und tastet systematisch Sehnen, Gelenke und Hufe ab. Beide Beine werden immer verglichen.

3. Bewegungsbeurteilung

Das Pferd wird in Bewegung beurteilt: Schritt und Trab auf gerader Linie, auf hartem und manchmal weichem Untergrund. Der Tierarzt achtet auf Kopfnicken (Vorderbein) und Beckenbewegungen (Hinterbein). Manchmal wird auch an der Longe beurteilt, da Lahmheit auf einem Kreis deutlicher oder weniger sichtbar sein kann.

4. Beugeproben (Flexionstests)

Ein Gelenk wird eine Minute gebeugt, danach wird das Pferd direkt im Trab beurteilt. Mehr Lahmheit nach dem Beugen weist auf ein Problem im oder um das Gelenk hin. Beugeproben helfen dem Tierarzt, den Problembereich Schritt für Schritt einzugrenzen.

5. Diagnostische Nervenblockaden

Um die Schmerzquelle genauer zu bestimmen, kann der Tierarzt bestimmte Nerven oder Gelenke betäuben. Verschwindet die Lahmheit nach einer Hufblockade? Dann sitzt der Schmerz im Huf. Verbessert es sich erst nach einer höheren Blockade? Dann sucht der Tierarzt weiter nach oben. Eine methodische Vorgehensweise, um den Problembereich einzugrenzen.

6. Bildgebung: Röntgen, Ultraschall oder mehr

Abhängig von den Befunden kann eine Bildgebung folgen:

       Röntgen: für Knochen; denken Sie an Arthrose, Frakturen oder Hufbeinrotation bei Hufrehe.

       Ultraschall: für Sehnen und Bänder. Unerlässlich bei Verdacht auf Sehnen- oder Bänderverletzung.

       MRT oder CT: bei komplexen Fällen, bei denen Röntgen und Ultraschall keine ausreichende Klarheit geben.

Nicht jede Untersuchung endet mit Bildgebung. Bei einem eindeutigen Hufabszess oder einer einfachen Verstauchung ist das selten nötig. Fragen Sie Ihren Tierarzt nach der Untersuchung immer: Was darf mein Pferd jetzt tun und was nicht, und wann evaluieren wir erneut?

Erholung und Vorbeugung

Allgemeine Erholungsphasen

       Ruhe und Entzündungskontrolle: eingeschränkte Bewegung und Management auf Anraten des Tierarztes.

       Kontrolliertes Schreiten: Aufbau auf geraden Linien, festem Untergrund, straffem Zeitplan.

       Trainingsaufbau: erst ausweiten, wenn das Pferd konsequent sauber läuft und Kontrollen positiv sind.

8 praktische Vorbeugungstipps

1.    Sorgen Sie für regelmäßige Hufpflege und halten Sie Beschlag-/Bearbeitungsintervalle ein.

2.    Bauen Sie das Training schrittweise in Dauer, Intensität und Untergrund auf.

3.    Wechseln Sie den Untergrund und vermeiden Sie viel Arbeit auf tiefem oder rutschigem Sand.

4.    Planen Sie Ruhetage und achten Sie auf frühe Zeichen von Überlastung.

5.    Halten Sie Ihr Pferd auf einem gesunden Gewicht.

6.    Kontrollieren Sie täglich Beine und Hufe auf Wärme oder Schwellung.

7.    Sorgen Sie immer für ein gutes Aufwärmen und Abkühlen.

8.    Kontrollieren Sie Weide und Paddock auf gefährliche Stellen (Löcher, glatte Stellen).

Immer vorbereitet für dein Pferd

Du hoffst, es nie erleben zu müssen, aber ein lahmes Pferd kommt oft unerwartet. Dann ist es ein beruhigender Gedanke, dass du die richtigen Mittel griffbereit hast. Denk an Kühlbandagen für die ersten kritischen Minuten, sauberes Verbandmaterial für eine Wunde am Bein oder einen Hufkratzer, um den Huf schnell kontrollieren zu können. Kleine Dinge, die im richtigen Moment einen großen Unterschied machen für dich und für dein Pferd.

Bei Agradi findest du alles, was du für die tägliche Pflege brauchst und für die Momente, in denen schnelles Handeln gefragt ist. Damit du dich auf das konzentrieren kannst, was wirklich zählt: gut für dein Pferd sorgen.

 

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